Tour de France

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Dass "Tour de France" ein Film ist, der gemacht werden musste, versteht sich von selbst. Weil vieles aus dem Ruder läuft in unserer Zeit, einer Zeit, in der alle Muslime über einen Kamm geschoren und mithin pauschal als Terroristen verurteilt werden. Das ist in Deutschland so, und es ist in Frankreich noch viel schlimmer. Weil die arabisch-stämmigen Franzosen dort noch weniger integriert sind, in Satellitenstädte verbannt sind und kaum eine Chance haben, das Leben eines "normalen" Franzosen zu führen. Das ist so falsch, dass es zum Himmel schreit, findet Regisseur Rachid Djaïdani und schickt ein ziemlich ungleiches Duo auf eine Reise durch das Land: Der alte Hobbymaler Serge (Gérard Depardieu) und der junge Ghetto-Rapper Far'Hook (Sadek) sollen dabei Gräben zuschütten - zwischen den Kulturen und zwischen den Generationen. Leider haben sie die Moralkeule mit auf ihre Reise genommen.

Es ist ein ungleiches Paar, das sich da an die Vermessung der Ignoranz macht: Far'Hook, gespielt vom Rapper Sadek, rappt sich durch die Pariser Vororte und muss sich der Kugeln der feindlichen Posse erwehren. Der von der gewichtigen Schauspieleminenz Gérard Depardieu gespielte Serge hat sich in seinem Häuschen in einer Kleinstadt verschanzt. Er hört (wahrscheinlich) jeden Abend die Marseillaise zum Einschlafen und verflucht dabei die ganze Einwandererschar, die sich sogar seine Nachbarschaft einverleibt hat.

Die beiden auf eine gemeinsame Reise zu schicken, ist ziemlich gewagt. Aber sie haben keine Wahl: Far'Hook muss nach einer Schießerei Paris verlassen und landet bei Serge. Der alte Mann braucht dringend einen Fahrer, weil er dem Maler Claude Joseph Vernet nacheifern will, der im 18. Jahrhundert alle großen Häfen des Landes malte.

Hier also ein verbitterter Rentner, dort ein chancenloser Junge aus den Banlieues: Auf dem Weg durch ein zerrissenes Land prallen Gegensätze aufeinander, an denen Frankreich in der Realität zu zerreißen droht. Kriminalität, Terror, die Angst vor dem Wandel: Der Front National fährt immer ein bisschen mit, wenn Serge das Verschwinden seiner eigenen Identität beklagt und seinen Chauffeur in jedem zweiten Satz dafür verantwortlich macht. Was den alten Patrioten besonders trifft: Far'Hooks Kumpel und Produzent Bilal (Nicolas Marétheu) ist sein eigener, zum Islam konvertierter Sohn und damit ein Verräter an der nationalen Identität.

Doch irgendwann können die beiden Männer ihre Vorurteile abbauen und gemeinsam Ressentiments bekämpfen: Dabei helfen ihnen Rap, Malerei und Chansons. Die Kultur verbindet eben, auch wenn die Inszenierung der kathartischen Reise ziemlich ungelenk ist. Aus vielen Einstellungen spricht eine hilflose Wut über die Zustände in Frankreich (und der Welt), die ja wirklich wütend machen können. Wut jedoch ist ein schlechter Ratgeber, wenn man Konflikte austragen will - die werden im Film ziemlich brüsk abgehandelt und dürfen sich Wohlgefallen auflösen.

Zu so viel Naivität, wie sie in "Tour de France" zu sehen ist, muss man erstmal den Mut haben. Einerseits beraubt sich Rachid Djaïdani damit der Relevanz. Anderseits ist es aber auch rührend, wie sehr er sich um eine Aussöhnung der Kulturen bemüht. Und nicht zuletzt ist ein rüpelrappender Gérard Depardieu durchaus ein Ereignis.

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Filminfo

Filmbewertung akzeptabel
Filmname Tour de France
Originaltitel Tour de France
Starttermin 02.03.2017
Regisseur Rachid Djaïdani
Genre Komödie
Schauspieler Gérard Depardieu
Schauspieler Sadek
Schauspieler Louise Grinberg
Entstehungszeitraum 2016
Land F
Freigabealter 12
Verleih Arsenal
Laufzeit 93 Min.

Weiterführende Links zum Film

Verleihseite "Tour de France"
Andreas Fischer,
teleschau - der mediendienst

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