Im Takt des gut gesetzten Up-Beat-Soundtracks schlagen die Wärter auf ihn ein. Immer wieder mischt sich dank schneller Schnitte die Erinnerung an eine längst vergangene Party in die Prügelei, die der Häftling mit genüsslichem Grinsen provozierte. Eine rasante, gewaltvolle, optisch anspruchsvolle Reise in die Vergangenheit scheint "Engel des Bösen - Die Geschichte eines Staatsfeindes" (2010) zu werden. Ein mitreißend inszenierter Ausflug in die Welt des Renato Vallanzasca, der mit Überfällen und Entführungen in den 70er-Jahren Mailand aufmischte. Doch leider hält der biografische Krimi aus Italien nicht, was die temporeiche Auftaktszene verspricht.
"Waffen sind nicht zum Schießen, sondern zum Erschrecken da", belehrt Renato Vallanzasca, mit vollem Körpereinsatz gespielt von Kim Rossi Stuart, seine Bande. Bis dieser noble Grundsatz vergessen ist, dauert es nicht lang. Denn je höher der "geborene Dieb" in den Kreisen der Mailänder Unterwelt aufsteigt, desto tiefer werden die Gräben zwischen ihm und der anderen Gangstergröße der Stadt: Betrachtete Francis Turatello (Francesco Scianna) den Emporkömmling zunächst nur mit Verachtung, wächst sich ihr Konflikt zur blutigen Fehde aus.
Doch auch die Polizei ist nach schnell erzählten Überfällen und Entführungen bald auf der Spur des Teams, mit dem Renato, wie er einst formulierte, dem Papst den Stuhl unter dem Arsch klauen könnte. Mann um Mann wird die Bande dezimiert; der, der aussteigen wollte, stirbt klischeegetreu bei seinem letzten großen Coup im Kugelhagel.
Aber aller Schießereien und Verfolgungsjagden zum Trotz: Besonders packend ist das Geschehen in langatmigen 128 Minuten nicht. Es wird viel geredet in diesem Film, dazu viel gestikuliert, aber insgesamt wenig gesagt. Die unübersichtliche Menge Figuren (darunter Moritz Bleibtreu), die Renato um sich scharrt, bleibt gesichts- und geschichtslos. Dass Einzelne wohl von Bedeutung waren, erschließt sich in der Regel erst dann, wenn sich der Gangsterboss mit schmerzverzerrtem Gesicht weinend über ihre leblosen Körper beugt. Denn Vallanzasca darf durchaus zeigen, dass er seine Mitstreiter schätzt und auch seine Frauen sehr liebt, wenn Letztere im Verlauf auch sonst eher als Gebrauchsgegenstände dargestellt werden.
Es mag der Figur Vallanzasca eine gewisse Tiefe geben, dass Michele Placido auch seine emotionale, mitfühlende Seite zeigt. Nachdem jedoch dessen Verbrechen bis auf wenige Ausnahmen im frech-fröhlichen Zeitraffer abgefrühstückt werden, muss sich der Regisseur wohl oder übel den Vorwurf gefallen lassen, dass er einen Verbrecher genauso fragwürdig glorifiziert, wie es seinerzeit die italienischen Medien vormachten. Und das ist, neben der Feststellung, dass sich aus italienischen Gefängnissen erstaunlich einfach ausbüxen lässt, der einzig bleibende Eindruck.
Trailer|
Filminfo |
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| Filmbewertung | akzeptabel |
| Filmname | Engel des Bösen - Die Geschichte eines Staatsfeindes |
| Originaltitel | Vallanzasca - Gli angeli del male |
| Starttermin | 24.02.2011 |
| Regisseur | Michele Placido |
| Genre | Kriminalfilm |
| Schauspieler | Kim Rossi Stuart |
| Schauspieler | Filippo Timi |
| Schauspieler | Moritz Bleibtreu |
| Entstehungszeitraum | 2010 |
| Land | I / F / RO |
| Freigabealter | 16 |
| Verleih | Fox |
| Laufzeit | 128 Min. |
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